Eule trifft Lerche



Du wirst am Samstag morgen gegen acht Uhr wach, bist sofort fit und hast Lust eine Runde joggen zu gehen. Dein Partner liegt neben dir, schläft tief und fest. Du versuchst die Schlafmütze durch leichtes stupsen zu wecken. Nichts passiert. Du stehst auf, machst Musik an, springst in deine Sportklamotten. Nichts passiert. Auch nach dem dritten, nun energischeren Weckversuch erntest du nur ein dumpfes: Lass mich in Ruhe!

 

So sieht ein typisches Aufeinandertreffen von Eule und Lerche aus. Jeder Mensch hat einen circadianen Rhythmus. Das heißt, jeder folgt einem eigenen Tagesrhythmus.Es gibt drei verschiedene Tagestypen mit jeweils spezifischen Tagesrhythmen. Die Forscher sprechen von Morgen-, Abend- und Mischtypen der Volksmund von "Eulen" und "Lerchen".

 

Die Morgentypen, die Lerchen, werden früh wach, sind Frühaufsteher und schon am Morgen fit und aktiv, werden dementsprechend aber auch früher müde und gehen zeitig schlafen.

Die Abendtypen, die Eulen, schlafen dagegen sehr lange, oft bis in den Tag hinein, und lassen sich nur schwer wecken. Die typischen Morgenmuffel werden erst am Nachmittag aktiv, können aber im Gegenzug bis nach Mitternacht konzentriert arbeiten.

Die durchschnittliche Aktivitätskurve eines Mischtypen beginnt um 3 Uhr langsam anzusteigen, hat zwei Hochpunkte besonderer Aktivität gegen 10 und 18 Uhr und ein Mittagstief gegen 15 Uhr. Die Aktivitätskurven der Eulen und Lerchen dagegen liegen jeweils ca. zwei Stunden verschoben.

 



Extreme Abend- oder Morgentypen sind eher selten. Die Mehrheit (80 Prozent) der Menschen sind Mischtypen und hat keine Probleme mit den sozial vorgegebenen Zeiten. Nur etwa 10% sind Eulen und rund 7%, sind Lerchen.

Im Alltag haben es die Eulen schwerer als die Lerchen. Sie müssen sich trotz ihrer verschobenen Aktivitätskurve den Zeitanforderungen von Schule oder Beruf anpassen. Sie müssen bereits morgens um acht Uhr leistungsfähig sein, auch wenn sie ihr aktives Hoch erst gegen 12 Uhr erreichen.

Im Berufsleben haben viele Firmen Gleitzeiten eingeführt, mit denen Eulen ihren Tagesablauf besser an ihre Aktivitätskurve anpassen können. Schüler müssen aber oft entgegen ihres circadianen Rhythmus pünktlich um 8 Uhr aktiv und lernbereit sein. Das fällt vielen besonders schwer, weil wir besonders als Jugendliche eher Eulen sind.

 

Lerchen haben nicht nur den Vorteil, ohne Probleme geregelten Schul- oder Arbeitszeiten nachgehen zu können. Ein amerikanische Studie fand heraus, dass Lerchen im Allgemeinen ein zufriedeneres Leben führen: im Vergleich mit den Eulen waren sie ausgeglichener, extrovertierter, aktiver und seltener depressiv. Die Gründe für diesen Unterschied sind noch unklar. Wer aber seinen persönlichen Rhythmus kennt, und seine Alltagsplanung daran orientiert, kann sich trotz sozialer Vorgaben den ganzen Tag über fit fühlen.

 

Es lohnt sich, auf das Ticken seiner inneren Uhr zu hören!

 

Davina Bringewat


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