Ein Gläschen in Ehren?
Ich lag an diesem Abend besonders lange wach. Am nächsten Tag fragte ich eine Freundin ob sie wüsste was ich dagegen tun kann. "Trink ein Gläschen Wein", riet sie mir " Alkohol ist das älteste Schlafmittel der Menschheit." Aber ist es auch ein gutes? Dass illegale Drogen sich negativ auf unseren Schlaf auswirken dürfte jedem bekannt sein. Schließlich werden sie oft aus nur einem Grund konsumiert: wach bleiben! Sei es Extasy, Speed oder Kokain, ob man diese Drogen nimmt um auf der Party länger fit zu bleiben oder im Berufsleben unschlagbar zu sein, sie sollen uns an der natürlichsten Sache der Welt hindern. Am Schlaf. Doch wie steht es mit den legalen Alltagsdrogen, den Genussmitteln. Eignet sich Alkohol tatsächlich als Schlummertrunk? Und wie genau wirken sich eigentlich Koffein und Nikotin auf unseren Schlaf aus?
Die weitläufige Meinung ist, dass Alkoholkonsum in Maßen, z.B. ein Glas Bier, uns schneller und besser einschlafen lässt. Dass selbst solch geringe Mengen sich bereits negativ auf unser Durchschlafen auswirken, wissen die wenigsten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur vereinzelt oder regelmäßig abends Alkohol zu sich nimmt.
Alkohol beeinflusst unser vegetatives Nervensystem. Der Parasympathikus, zuständig für Erholung und Verdauung, wird vom Alkohol angeregt, während der sogenannte Sympathikus, welcher für Aktivität und Arbeit steht, gehemmt wird. Dies äußert sich in einer zügig eintretenden Entspannung- wir schlafen ein. Doch anstatt die notwendige Ruhe- und Aufbauphase zu erfahren, ist unser Körper mit dem Abbau des Alkohols in unserer Blutbahn beschäftigt. Dieser Vorgang dauert drei Stunden an. Der Schlaf ähnelt eher einer Ohnmacht. Die für unsere Erholung äußerst wichtigen REM-Phasen werden vollständig unterdrückt. Doch damit nicht genug, gleicht sich unser vegetatives Nervensystem nach dem vollständigen Abbau des Alkohols wieder aus. Der Sympathikus gewinnt die Oberhand und mit ihm werden auch wir -mitten in der Nacht- wieder aktiv. Wir sind unruhig, bekommen Schweißausbrüche und Herzklopfen. Diese Symptome halten ebenfalls drei Stunden an und werden von einem unruhigen REM- Schlaf begleitet. Die Nacht ist um, und wir sind gerädert!
Wir trinken morgens unseren Kaffe um wach zu werden. Niemand käme auf die Idee vor dem Einschlafen eine Tasse des schwarzen Aufputschgetränks zu sich zu nehmen. Aber selbst der während des Tages getrunkene Kaffee kann Auswirkungen auf unseren Schlaf haben. Koffein regt die Hirntätigkeit an und ist somit Gift für gesunden, erholsamen Schlaf. Trinkt man regelmäßig und übermäßig koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola oder Tee, kann es in der Nacht sogar zu Entzugserscheinungen kommen. Diese führen dann zu Durchschlafproblemen. Deshalb sollte man grundsätzlich bis zu vier Stunden vor dem Schlafengehen keine koffeinhaltigen Getränke, sowie Medikamente mit Koffein, zu sich nehmen.
Das gleiche gilt überraschenderweise für Nikotin. Es gehört ebenso wie Koffein zu den sogenannten Stimulantien und regt die Hirntätigkeit an. Starke Raucher leiden deshalb nachts unter Entzugserscheinungen und Schlafstörungen. Es ist erwiesen, dass Raucher schneller ein- und besser durchschliefen, als sie ihr Laster aufgaben. Nikotinhaltige Medikamente und Zigaretten sollten deshalb genau wie Koffein, einige Stunden vor dem Zubettgehen nicht konsumiert werden. Meine Freundin und ich waren über einige dieser Erkenntnisse ziemlich überrascht. Das Glas Wein als Schlummertrunk werden wir in Zukunft jedenfalls vermeiden.
Cristina Kouros
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